dag4-icann

ICANN hat am 31.05.2010 die 4. Ver­si­on des Bewer­ber­hand­buchs (Draft App­li­cant Gui­de­book, kurz DAG4) für die neu­en Top-Level-Domains ver­öf­fent­licht. Dar­in sind zahl­rei­che Vor­schlä­ge des Regie­rungs­bei­ra­tes bei ICANN (Govern­men­tal Advi­so­ry Com­mit­tee, GAC) ein­ge­ar­bei­tet. Die Bun­des­re­pu­blik wird im GAC durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft repräsentiert.

Ein­fluss von Regie­run­gen auf den geoTLD-Betrieb

Das so genann­te Explana­to­ry Memo­ran­dum (Link s.u.) zu den Mög­lich­kei­ten der Ein­fluss­nah­me von Regie­run­gen auf den GeoTLD-Betrieb hält fol­gen­de Punk­te fest:

  • Regie­run­gen von Gebiets­kör­per­schaf­ten wer­den ein gene­rel­les Recht zur Ein­fluss­nah­me und ver­schie­de­ne spe­zi­fi­sche Ein­griffs­mög­lich­kei­ten gege­ben, um einen Betrei­ber einer GeoTLD, der sich nicht an den Ver­trag mit ICANN oder die Bedin­gun­gen des Sup­port-Brie­fes hält, über einen fest­ge­leg­ten Pro­zess zu regle­men­tie­ren. Die­ser Pro­zess heißt „Regis­try Restric­tions Dis­pu­te Reso­lu­ti­on Pro­ce­du­re” und soll für Regie­run­gen mit kei­nen Gebüh­ren ver­bun­den sein.
  • Im Fal­le von Strei­tig­kei­ten zwi­schen Regie­rung und GeoTLD-Betrei­ber erkennt ICANN die Ent­schei­dung natio­na­ler Gerich­te an. Dies kann z. B. Klau­seln des Ver­trags des GeoTLD-Betrei­bers mit ICANN (nach kali­for­ni­schem Recht) betref­fen, die in Deutsch­land gegen gel­ten­des Recht ver­sto­ßen. Davon betrof­fen sein könn­ten z. B. Ver­trags­be­din­gun­gen in den Berei­chen Daten­schutz oder Kar­tell- und Wettbewerbsrecht.
  • Regie­run­gen sol­len die Mög­lich­keit haben, einem GeoTLD-Betrei­ber den Betrieb unter bestimm­ten Bedin­gun­gen zu ent­zie­hen, z. B. falls er den Live-Betrieb der Top-Level-Domain nicht star­tet, sich nicht an die fest­ge­leg­ten Lis­ten mit den für die Regie­rung reser­vier­ten Begrif­fen hält oder unbe­rech­tig­ten Par­tei­en die Regis­trie­rung von Domains erlaubt.
  • Auch bei der Ver­län­ge­rung des Betrei­ber­ver­tra­ges nach 10 Jah­ren, der Ände­rung der Besitz‑, Stand­ort- oder Stimm­rechts­ver­hält­nis­se (Chan­ge of Con­trol) einer GeoTLD oder dem Wech­sel des tech­ni­schen Dienst­leis­ters wird die Zustim­mung der jeweils ver­ant­wort­li­chen Gebiets­kör­per­schaf­ten not­wen­dig sein. Damit kann z. B. ver­hin­dert wer­den, dass eine deut­sche GeoTLD fis­ka­lisch in ein Nied­rig­steu­er­land ver­la­gert, an Finanz­in­ves­to­ren im Aus­land ver­kauft wird oder an einen Stand­ort mit laxe­rer Gesetz­ge­bung umzieht.

Ein Ent­zug des „Sup­por­t/­Non-Objec­tion” der Regie­rung bedeu­tet für den Betrei­ber einer GeoTLD aller­dings kei­ne auto­ma­ti­sier­te Ent­zie­hung des Betriebes.

Vor­la­ge für Support-Brief

Mit dem DAG4 hat ICANN auch eine Vor­la­ge ver­öf­fent­licht, wie das so genann­te „State­ment of Sup­port or Non-Objec­tion”, das in jedem Fall für eine erfolg­rei­che GeoTLD-Bewer­bung vom Bewer­ber mit­zu­brin­gen ist, aus­se­hen kann. Damit haben die Regie­run­gen von Städ­ten, Bun­des­län­dern und Staa­ten ein Mus­ter an der Hand, das Rechts­si­cher­heit für den Bewer­ber und die jeweils zustän­di­ge Gebiets­kör­per­schaft schafft (Sei­te 89 in DAG4).

Zustän­dig­kei­ten für den Support-Brief

Hier hat es gegen­über der vor­he­ri­gen Ver­si­on eine wich­ti­ge Ände­rung gege­ben: Der Bewer­ber für einen Haupt­stadt­na­men, wie z. B. für .ber­lin, benö­tigt aus Sicht von ICANN allei­nig einen Sup­port-Brief der jewei­li­gen natio­na­len Regierung:

„An app­li­ca­ti­on for any string that is a repre­sen­ta­ti­on, in any lan­guage, of the capi­tal city name of any coun­try or ter­ri­to­ry lis­ted in the ISO 3166–1 stan­dard. In this case, it is anti­ci­pa­ted that the rele­vant government or public aut­ho­ri­ty would be at the natio­nal level.”

Ein Bewer­ber für einen Stadt­na­men benö­tigt hin­ge­gen nur den Sup­port-Brief der jewei­li­gen Stadt­re­gie­rung (2.2.1.4.2 Geo­gra­phi­cal Names Requi­ring, Sei­te 65/66 in DAG4).

Unklar ist der­zeit hin­ge­gen, welche(n) Support-Brief(e) ein Bewer­ber für ein Bun­des­land (z. B. .bay­ern oder .nrw) anbrin­gen muss. Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass es im Zwei­fels­fall zwei sein müs­sen, der des Bun­des­lan­des und der der Bundesregierung.

Wir gehen wei­ter­hin davon aus, dass deut­sche (Haupt-)Städte nach wie vor den Sup­port der loka­len und natio­na­len Regie­rung benötigen.

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